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Cécile Verny Quartet

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„Das nächste Stück haben wir noch nie live gespielt“, sagte Cécile Verny beim Konzert Ende des letzten Jahres. „Es wird auf unserer neuen CD sein.“ Was dann folgte, war „Talkin‘ “, ein Popsong mit unwiderstehlichem Groove und einer dieser Melodien, die man nachher nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Diese Szene wiederholte sich noch einige Male an diesem Abend. Bei „Top Shelf Life“, bei „The Dream“ und bei „This House“. Schade, dass man diese kleinen Perlen nicht mit nach Hause nehmen kann, so der allgemeine Tenor. Jetzt kann man das tun, das neue Album ist da, und wie versprochen finden sich darauf all die Stücke, die Cécile Verny und ihre Band auf der Bühne gespielt haben.

Es hört sich immer ein klein wenig anders an, wenn Jazzmusiker Popsongs spielen. Denn Popsongs sind die Nummern hier auf diesem Album in der Tat, allerdings nicht Stücke von der Art, wie sie uns aus dem Formatradio entgegenschallen. Die Musik Cécile Vernys und ihrer Band hat nichts Oberflächliches, ist nichts, was man nach einmaligem Hören sofort wieder vergessen würde. Stücke wie „Kissing The Moon“, „My Steps Their Beat” oder “The Power To Be” berühren den Hörer in seinem Innersten, packen ihn emotional. Manche springen ihn regelrecht an. Andere kriechen ihm unter die Haut. Auf jeden Fall setzen sie sich fest.

Zum einen wegen des Sounds. Jede Nuance ist akribisch gesetzt, jeder einzelne Ton aus dem Keyboard wohl überlegt, jeder Beckenschlag genau eingefügt. In diesen Songs gibt es auch Platz für Bernd Heitzlers Kontrabass-Solos, in diesen Songs darf Andreas Erchinger auf dem Klavier Pirouetten drehen, darf Lars Bender am Schlagzeug swingen und gleichzeitig knackigen Funk in die Felle hämmern. Und das alles ist dennoch Pop. Pop mit Jazz-Einschlag. Oder doch eher Jazz mit Pop-Einschlag? – Egal. Die entspannte Nonchalance, die die 17 Kompositionen der Bandmitglieder umgibt, die souveräne Coolness der Combo, das klanggewordene Understatement – das macht den Unterschied aus. So gut kann Pop sein, wenn er von Jazzmusikern gespielt wird. Erstaunlich ist auch, dass die Band die Intensität und die knisternde Spannung ihrer Konzertauftritte anscheinend völlig problemlos auf die vergleichsweise nüchterne Atmosphäre des Aufnahmestudios übertragen konnte. 

Ein ganz eigenes Kapitel sind die Texte. Zuerst einmal nimmt man sie wahr, weil Cécile Verny sie singt. Die Stimme dieser großartigen Sängerin, die so souverän die Schnittstelle zwischen Jazz, Pop, Rhythm’n‘Blues und Soul markiert, muss man ganz einfach gehört haben. Mit „I Heard An Angel Singing“ und „The Garden Of Love“ gibt es auch diesmal wieder, wie bei ihr schon üblich, Vertonungen von Gedichten des englischen Lyrikers William Blake, dazu kommen „There’s No Way Back“ mit einem Text der schwedischen Dichterin Åsa Ericsdotter und „Mon Avenir S’est Envolé“, das auf Bachs Goldberg Variation Nr. 15 beruht. Wenn man den Text bewusst wahrnimmt, wird man schnell feststellen, wie subtil die Musik auf ihn abgestimmt ist. „Krakatoa Moon“, „Kissing The Moon“ oder „New Moon“ sind – nicht nur wegen des bereits durch den Albumtitel angekündigten Hauptthemas „Mond“ – Paradebeispiele dafür, dass ein Song erst dann rund und schlüssig ist, wenn beide Einzelaspekte sich in ihm zu einem großen Ganzen vereinen.

Das Cécile Verny Quartet existiert seit mittlerweile drei Jahrzehnten. Arbeitet man über einen dermaßen langen Zeitraum in einer festen Band zusammen, kennt man sich in- und auswendig.  Jedoch wäre es ein Wunder, wenn nicht jedes Bandmitglied sich dennoch persönlich weiterentwickeln und für sich selbst Neues entdecken würde. Diesbezüglich herrscht innerhalb der Band schon immer Konsens. An Traditionen, sofern sie nützlich sind, durchaus festhalten, aber ohne Berührungsängste auch neue Bereiche erkunden. Sich seinen persönlichen Stil bewahren, aber sich auch als Musiker, Komponist und Arrangeur weiterentwickeln. Und schließlich, was nach all den Jahren aber vermutlich bereits zur Gewohnheit geworden ist: das eigene Talent in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen. – Hört sich in der Theorie gut an. Aber ist das in der Praxis auch umzusetzen?

Anscheinend ja. Und als Ergebnis kommen dann Alben wie „Of Moons And Dreams“ heraus, Alben mit großartigen Songs, Alben mit auch nicht nur einem einzigen Titel, den man als „Füllmaterial“ bezeichnen würde, Alben, bei denen Balladen und straighte Groovenummern gleichermaßen funktionieren, Alben, die man am liebsten gar nicht mehr aus dem Player nehmen möchte, weil man geradezu süchtig nach ihnen wird. Was zugegebenermaßen eher selten vorkommt, manchmal aber eben doch. Ist es erst mal so weit, ist die Frage, ob das Ganze denn nun als Jazz-Pop oder als Pop-Jazz zu bezeichnen ist, letztendlich völlig unerheblich. 

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